pawloff

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Wassili Pawloff

Wassili Guriewitsch Pawloff, auch Pawlow (* 1854 im Kaukasus/Russland; † 15. April 1924 in Baku) war Baptistenprediger und Missionspionier in Südrussland und im Kaukasus, in Tiflis, Odessa und Moskau, der auch eine achtjährige Verbannung nach Sibirien erdulden musste. Er war Mitarbeiter und eine Zeit lang Vorsitzender des russischen Baptisten-Bundes und hatte Verbindungen zum deutschen Baptismus.

pawloff-odessa.jpgPawloff empfing die Taufe von Nikita Woronin, dem ersten russischen Baptisten, am 20. August (1. September) 1867 in Tiflis (Kaukasus, damals Russland, heute Georgien). Er sprach russisch und deutsch. Seine Gemeinde sandte ihn 1875 nach Hamburg zu einem einjährigen Missionskurs. An dessen Ende wurde er von J.G.Oncken zum Missionar ordiniert. Daraufhin kehrte er 1876 in die Gemeinde Tiflis zurück, die inzwischen vierzig Mitglieder zählte. Missionsreisen führten ihn bis zum Ararat und ans Kaspische Meer. Danach unternahm er Missionsreisen u.a. nach Samara, Astrachan und ins Dongebiet, wo später Baptistengemeinden entstanden. Im Jahre 1880 erhielt die Gemeinde Tiflis mit ihrem Prediger Pawloff eine amtliche Bestätigung und er organisierte 1884 die „Allrussische Baptistenunion“. Dennoch erlebte er Verfolgung von Staat und Kirche und wurde 1887 mit Woronin für acht Jahre nach Sibirien verbannt. (1905 konnten viele weitere Verbannte aufgrund eines Manifestes über religiöse Freiheit nach Südrussland und in den Kaukasus zurückkehren.) Pawloff evangelisierte mit Erlaubnis des Gouverneurs vor Tausenden in Berdjansk und Charkow. Dennoch gingen Einschränkungen und Behinderungen der Missionsarbeit durch Ortsbehörden und Geistliche weiter. Zur Festigung der Arbeit wurde 1907 eine Missionsgesellschaft gegründet, die 19 Evangelisten für ein Jahr anstellen konnte. Dabei wurden sie auch von zwei deutschen Missionskomitees der Baptisten und Mennoniten unterstützt, die in Verbindung mit ihnen arbeiteten. Auf dem 1. europäischen Baptistenkongress 1908 in Berlin war Pawloff Referent, der über die Entwicklung des Baptismus in Russland berichtete. Von 1907 bis 1914 übernahm Pawloff den Predigdienst in der russischen Gemeinde Odessa und arbeitete dort auch mit der deutschen Gemeinde von Carl Füllbrandt (Vater) zusammen. Um dem ständigen Verfolgungsdruck auszuweichen hielt er sich mit Beginn des Ersten Weltkriegs geheim in Turkestan auf und ging 1917 nach Moskau und diente in der Moskauer Baptistengemeinde zusammen mit seinem Sohn Paul.

„Unter seiner Befürwortung wurde das Hamburger Glaubensbekenntnis angenommen und Onckens Baptismus mit geschlossenem Abendmahl eingeführt und festgehalten“ (W.Gutsche, Quellen, 1956, 90). Das Monatsblatt des russischen Bundes „Der Baptist“ übernahm er als Redakteur ab 1910 bis es bei Beginn des Ersten Weltkriegs eingestellt werden musste. Es wurde zuerst in Rostow gedruckt, später kam es in Odessa heraus. Auf der Bundeskonferenz in Rostow am Don wurde er 1909 zum Vorsitzenden des Bundes gewählt. Er war ein „Draufgänger“, der sich vielen Gefahren aussetzte. Dennoch wurde ihm Vertrauen und Anerkennung entgegengebracht von seiten orthodoxer Theologen und bekannten Tolstoianhängern. Davon zeugen die freundschaftlichen Gespräche zwischen diesen Gruppen und Baptisten in Moskau im Jahre 1919. Anlässlich seines 50jährigen Dienstjubiläums 1921 übernahm der Bund als Anerkennung für ihn und seine Frau ein Ruhestandsgehalt. Im Jahre 1923 zog er mit seiner Frau nach Transkaukasien und plante eine Mohammedanermission. Aber schon ein Jahr später starb er in Baku und wurde auf Wunsch der Gemeinde in Tiflis beigesetzt. Mit seiner Frau hatte er einen Sohn Paul/Pavel. (RF nach seinem Vortrag 1908 und W. Gutsche 1956)

Lebensbericht bei W. Gutsche, Westliche Quellen des russischen Stundismus, 1956, S. 86-92.

Nachruf: Carl Füllbrandt, Wasili Guriewitsch Pawloff †, in: Wahrheitszeuge 1924, Nr. 29, S. 231f.

J. H. Rushbrooke, Vasili Pavlov. A Russian Baptist Pioneer, in: The Baptist Quarterly Vol. 6, 1933, S. 361-367: https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/0005576X.1933.11750299

Wilhelm Kahle, Evangelische Christen in Rußland und der Sovetunion. Ivan Stepanovic Prochanov (1869-1935) und der Weg der Evangeliumschristen und Baptisten, Wuppertal und Kassel 1978, S. 579f.

Entwickelung und Stand des Baptismus in Rußland, in: Offizieller Bericht über den 1. Kongreß der europäischen Baptisten. Gehalten zu Berlin vom 29.August bis 3.September 1908, hg. v. F.W.Simoleit, S. 209-217.

siehe auch: Quellen.

Offizieller Bericht über den 1. Kongreß der europäischen Baptisten. Gehalten zu Berlin vom 29.August bis 3.September 1908, hg. v. F.W.Simoleit, S. 66.209.211.212.213.214.336; Carl Füllbrandt, Wasili Guriewitsch Pawloff †, in: Wahrheitszeuge 1924, Nr. 29, S. 231f; J. H. Rushbrooke, Vasili Pavlov. A Russian Baptist Pioneer, in: The Baptist Quarterly Vol. 6, 1933, S. 361-367; Waldemar Gutsche, Westliche Quellen des russischen Stundismus. Anfänge der evangelischen Bewegung in Rußland, Kassel 1956, S. 56.58.86-92; Gunnar Westin, Geschichte des Freikirchentums. Der Weg der freien christlichen Gemeinden durch die Jahrhunderte, (Upsala 1954) Kassel (1956) ²1958, S. 280; J. D. Hughey, Die Baptisten. Einführung in Lehre, Praxis und Geschichte, Kassel 1959, S. 109; Waldemar Gutsche, Religion und Evangelium in Sowjetrussland zwischen zwei Weltkriegen (1917-1944), Kassel 1959, S. 21.27.46.49.120.121.124; R. Donat, Ausbreitung, 1960, Register; Die Baptisten (Die Kirchen der Welt II), hg. v. J.D. Hughey, Stuttgart 1964, S. 177; Wilhelm Kahle, Evangelische Christen in Rußland und der Sovetunion. Ivan Stepanovic Prochanov (1869-1935) und der Weg der Evangeliumschristen und Baptisten, Wuppertal und Kassel 1978, Register (Pavlov, Vasilij).

Bildnachweis: Oncken Verlag Kassel 1908

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  • von rfleischer