Albert von der Kammer

Albert von der Kammer (* 7. November 1860 in Wolgast; † 9. Juli 1951 in Klotsche bei Dresden) war Kaufmann aus Mecklenburg-Vorpommern, der erst in exklusiven dann in offenen Brüdergemeinden predigte und evangelisierte. Für sie begann er in Sachsen einen Reisedienst und gab die Zeitschrift „Handreichung aus dem Wort Gottes“ heraus.

Sein Vater Wilhelm von der Kammer (1825-1880) war ursprünglich Schuhmachermeister, wirkte aber seit 1849 als baptistischer Evangelist in Mecklenburg. So bekehrte sich Albert von der Kammer schon als Kind. Mit 15 Jahren legte er das erste Mal ein öffentliches Zeugnis ab und diente von da regelmäßig in der Baptistengemeinde Wolgast. Beeinflusst durch Schriften der „Elberfelder Brüder“ und Kontakte zu exklusiven Brüdergemeinden in Schlesien kam es in der Gemeinde zu Spannungen, so dass 1880 die Wolgaster Gemeinde aus dem Bund der Baptistengemeinden ausgeschlossen wurde. Die ehemalige Baptistengemeinde Wolgast wurde nun zu einer Versammlung der „Elberfelder Brüder“. Diese Entwicklung bekam Albert von der Kammer hautnah mit. Er erlernte den Beruf eines Kaufmanns und gründete in Wolgast eine kleine Fabrik, in der „Wäscheblaubeutel“ hergestellt wurden. Dabei setzte er seinen Predigtdienst, den er in der Wolgaster Baptistengemeinde begonnen hatte in den exklusiven Brüdergemeinden der Umgebung fort. 1890 kam es unter den englischen Brüdern zur Spaltung über die Lehren von Frederick E. Ravens (1837-1903). Dieser Bewegung schloss sich neben etwa 40 anderen exklusiven Brüdergemeinden auch die Gemeinde Wolgast an. Albert von der Kammer lernte auf einer Konferenz Raven persönlich kennen und gab für die deutschen Raven-Gemeinden ein eigenes Liederbuch, in dem auch Lieder von ihm stammten, heraus. 1904 weihte die Wolgaster Gemeinde ein neuerbautes Gemeindehaus ein. In dieser Zeit rückte Albert von der Kammer auch immer mehr von den Raven-Brüdern ab. Im Dezember 1904 lernte er den „offenen Bruder“ Edmund Hamer Broadbent (1861-1945) aus England in Deutschland kennen. Er lud Broadbent nach Wolgast ein und mit sechs umliegenden „Raven-Versammlungen“ entschloss man sich dann Broadbent zu folgen. So entstanden in Vorpommern mehrere Gemeinden der „offenen Brüder“. Um diese Zeit verkaufte von der Kammer seine Firma und widmete sich gänzlich der Arbeit im „Werk des Herrn“. Aus gesundheitlichen Gründen siedelte er nach Sachsen und begann einen Reisedienst, aus dem eine Anzahl von „offenen Brüdergemeinden“ entstanden. Zeitweise war er auch Gastlehrer an der Allianzbibelschule in Berlin, die von Christoph Köhler und Johannes Warns geleitet wurde. 1911 baute er sich in Klotzsche bei Dresden ein Haus. 1913 gründete er gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Fritz Koch (1880-1936) die Zeitschrift „Gegenseitige Handreichung aus dem Worte Gottes“ (ab 1921/22 „Handreichung aus dem Wort Gottes“). Nach Kochs Tod führte er die Zeitschrift allein weiter, bis 1937 Erich Sauer stellvertretender Schriftleiter wurde. Der letzte Jahrgang (1939) wurde von Fritz von Kietzell herausgegeben. Von der Kammer begrüßte den Zusammenschluß der „offenen Brüder“ mit den Brüdern des BfC und nahm an der Vereinigungskonferenz in Berlin (16. 11. 1937) teil. Er wurde in die Liste der „BfC-Reisebrüder“ aufgenommen und war später auch auf der Predigerliste des BEFG. (Hartmut Wahl)

Viele Artikel in seiner Zeitschrift „Handreichung aus dem Wort Gottes“ (1911 – 1939).

Erwiderung auf einen „Auszug aus einem Briefe über die sogen. »offenen Brüder«“, im Internet unter: https://bruederbewegung.de/pdf/kammererwiderung.pdf

Willst du den Willen Gottes tun? Ein unbeliebtes Schriftwort, Vaihingen-Enz (1954).

Der Heilige Geist, der in uns wohnt: (2. Timotheus 1, 14), Berlin 1964.

Hütet die Herde, (ein Wort für Älteste), Dillenburg 1982, 3 1992.

Die göttliche Inspiration der Heiligen Schrift, Dillenburg 1985.

Friede, Freude, Heilsgewissheit, Dillenburg 1989.

Die Auserwählung Gottes, Dillenburg 1989.

Der Richterstuhl des Christus, Dillenburg 1989.

Sicher in Jesu Armen: Heilssicherheit, Dillenburg 2 1992.

Wort und Werk 1/1953, S. 8 (Nachruf); Walther Schwammkrug, Aus der Geschichte der Brüder. Dritter Teil, in: Handreichung für den Glaubensweg 11/1965, S. 3-23; Gerhard Jordy, Die Brüderbewegung in Deutschland, Bd. 2, Register; Ulrich Bister, Die Brüderbewegung in Deutschland von ihren Anfängen bis zum Verbot des Jahres 1937 – unter besonderer Berücksichtigung der Elberfelder Versammlungen, Diss. Marburg 1983; Andreas Liese, Verboten, geduldet, verfolgt. Die nationalsozialistische Religionspolitik gegenüber der Brüderbewegung, Hammerbrücke (2002) 2. durchgesehene Aufl. 2003, Register (642 S.); Ulrich Müller, Geschichte der „Handreichungen“, im Internet unter: https://www.bruederbewegung.de/themen/zeitschriften/handreichungen.html, 2005; Horst Afflerbach, Die heilsgeschichtliche Theologie Erich Sauers, Wuppertal 2006 (543 S.), Register; Matthias Schmidt, Albert von der Kammer 1860-1951. Unveröffentlichtes Vortragsmanuskript, Wiedenest 2010; Tom Schröter, „Wolgaster Missionare waren im In- und Ausland unterwegs“, in: Ostsee-Zeitung, 3. Mai 2011, S. 12; Michael Schneider, Ein „Vater in Christo“. Zum 60. Todestag von Albert von der Kammer, in: Zeit & Schrift 4/2011, S. 25-29.