Arnold Köster

Arnold Köster (* 3. Februar 1896 in Wiedenest; † 28. Oktober 1960 in Wien) war langjähriger Pastor der Baptistengemeinde Wien, ein unerschrockener NS-Kritiker und Herausgeber des „Täuferboten“, einer Monatszeitschrift der südosteuropäischen Baptistengemeinden.

a.koester.jpgEr war Sohn eines Baptistenpastors. Er studierte am Seminar in Hamburg 1919-1923. Als Pastor diente er in den Gemeinden Hamburg-Wilhelmsburg 1923-1924, in Köln-Rheinaustraße von 1924-1929 und die längste Zeit in Wien von 1929-1960. Hier prägte er viele Jahre als Prediger und Lehrer die Baptistengemeinde Wien-Mollardgasse und war auch Vorsitzender der Evangelischen Allianz in Österreich. 1942 wurde er in die Bundesleitung gewählt. Schon 1931 sah er eine „kommende Weltkatastrophe“ voraus (Täuferbote Januar 1931, 4; Graf-Stuhlhofer, Kritik, 129f). Er gilt als unerschrockener NS-Kritiker, der aufgrund einer prophetisch-apokalyptischen Bibelauslegung die aktuellen Zeitereignisse beurteilte und im Bolschewismus wie im Nationalsozialismus antichristliche Züge sah. Er bezeichnete sich selbst nie als Prophet, meinte aber, der Christ habe eine prophetische Aufgabe und dürfe darum nicht schweigen. „Von der Gestapo wurde er beobachtet und mehrmals verhört, aber nicht verhaftet“ (Graf-Stuhlhofer, Kritik, 264, vgl. auch 253). Seine seit 1939 mitstenografierten und danach abgeschriebenen Predigten sind eine sehr umfangreiche und einzigartige Quelle. Von 1930 bis 1934 gab er den „Täuferboten“ heraus, eine Monatszeitschrift für die deutschen Gemeinden Südosteuropas, zusammen mit Carl Füllbrandt und Johannes Fleischer. 1952 wurde er zum Vorsitzenden des Bundes der österreichischen Baptisten gewählt. 1953 bis 1960 war er Mitglied der 1. Bundesleitung der österreichischen Baptisten. Seit 1923 war er verheiratet mit der Baptistin Maria Hornburg (1900-1970), mit der er drei Söhne und drei Töchter hatte. (RF)

ausführliche Kurzbiographie in wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Arnold_K%C3%B6ster

Kurzbiographie von Franz Graf-Stuhlhofer in: BBKL, Bd. 19 (2001), Sp. 815-821: https://www.bbkl.de/public/index.php/frontend/lexicon/K/Ko/koester-arnold-60357

siehe auch: Biographie.

Im Archiv der Wiener Baptistengemeinde befindet sich eine einzigartige, umfangreiche Sammlung von ca. 2.600 Predigtnachschriften und Vorträge Kösters, davon 500 aus der NS-Zeit. Diese letzteren ergeben nach Graf-Stuhlhofers Einschätzung etwa 5.500 Druckseiten (vgl. dazu Graf-Stuhlhofer, Kritik, 14.16 und Claesberg, Leiter, 26f).

Herausgeber des Täuferboten in Wien von 1930-1934 (fortgeführt bis 1942 von J. Fleischer, Bukarest, inzwischen vollständig digitalisiert).

zahlreiche Art. in Wahrheitszeuge, Hilfsbote und vor allem Täuferbote.

Wachet, denn Jesus kommt, in: Täuferbote Februar 1930, S. 1f.

„Wenn doch auch du erkenntest …!“ (Auslegung zu Lk 19, 41-44; aktualisiert auf die Zeitverhältnisse, auf Sozialismus und Nationalsozialismus), in: Täuferbote Januar 1932, S. 1-3.

Ist die gegenwärtige Weltkatastrophe Krise oder Untergang?, Broschüre 1932, 13 S. (Archiv Gemeinde Wien; vgl. Täuferbote September 1932, S. 8).

Hakenkreuz und Sowjetstern. Malzeichen des Antichristus!?, in: Wahrheitszeuge vom 11. Sept. 1932, S. 291f; auch in: Lampenlicht am dunklen Ort, Wien 1965, S. 143-148 (vgl. dazu A. Strübind, Unfreie Freikirche, ²1995, 66; F. Graf-Stuhlhofer, Öffentliche Kritik am Nationalsozialismus im Großdeutschen Reich, Neukirchen-Vluyn 2001, 147f und Veit Claesberg, Leiter, 203f).

Der Untergang des Christentums, in: Wahrheitszeuge 13. Nov. 1932, S. 363f.

Das prophetische Wort, in: Täuferbote Juni/Juli 1933, S. 3-4.

Die prophetische Schau der Gemeinde, in: Täuferbote Oktober 1933, S. 2-4.

Deutsch-Österreich, in: Wahrheitszeuge 1934, Nr. 8, S. 63.

Der Geist - das göttliche Lebenselement der Gemeinde, in: Wahrheitszeuge 1934, Nr. 15, S. 117-119.

Jakob Huter, dem treuen Führer der Täufer zum 400-Jahr-Gedenktage seines Märtyrertodes, in: Täuferbote März 1936, S. 2f.

Was bedeutet Christus für die Welt? (Jesaja 11 und 12), in: Täuferbote Dezember 1936, S. 1f.

„Israel. Gottes Weltenuhr für die Völker!“, in: Wahrheitszeuge 1938, Nr. 17 (24. April 1938), S. 130f (gekürzt um alle Stellen, die auf Israel und die kath. Kirche bezugnehmen; vgl. Graf-Stuhlhofer, Kritik, 2001, 261; Manuskript im Archiv der Gemeinde Wien).

Die Hausgemeinde, ein missionarischer Weg im katholischen Österreich, in: Hilfsbote 1938, Juli, S. 131f; auch in Täuferbote Oktober 1938, S. 2-4. (Vgl. dazu F. Graf-Stuhlhofer, Kritik, 2001, S. 49-51)

Der Antichrist. Vortrag vom 9. Oktober 1941 über Offb. 13, in: Lampenlicht am dunklen Ort, 1965, S. 107-123 (Original im Archiv der Gemeinde Wien).

Warum immer wieder das prophetische Wort?, in: Täuferbote Oktober 1941, S. 1-3.

K.Federmann, G.Hoffmann (Hg), Lampenlicht am dunklen Ort (Auswahl von 11 Predigtnachschriften und Vorträgen von 1932 bis 1959), Wien 1965 (darin u.a. Geschichte und Wesen der Baptisten, Vortrag von 1959).

Franz Graf-Stuhlhofer, Öffentliche Kritik am Nationalsozialismus im Großdeutschen Reich. Leben und Weltanschauung des Wiener Baptistenpastors Arnold Köster (1896-1960) (Historisch-Theologische Studien zum 19. und 20. Jahrhundert, Bd. 9), Neukirchen-Vluyn 2001 (280 S.). Vgl. dazu die Rezensionen von Manfred Bärenfänger, in: Freikirchenforschung Nr. 12/2002, S. 210f; Heinz-Adolf Ritter, in: ThGespr 2003, S. 205-209; Nicholas M. Railton, in: The Journal of Ecclesiastical History, Vol. 54, Issue 1, January 2003, pp. 97-194 und Andrea Strübind, in: Jahrbuch für Evangelikale Theologie 2004, S. 331-335.

Kurzfassung in: Kirchliche Zeitgeschichte. Internationale Halbjahresschrift für Theologie und Geschichtswissenschaft, 14/2001, S. 557-564.

Vgl. auch Veit Claesberg, Der pastorale Leiter als Prophet. Der Baptistenpastor Arnold Köster (1896-1960) im Widerstand gegen den Nationalsozialismus (Baptismus-Dokumentation 8), Elstal 2018, S. 86-127 („Kösters Leitungsbiographie: Präge- und Wirkungsphasen“).

Erste Donauländer-Missionskonferenz, in: Wahrheitszeuge 1931, Nr. 47 (22.11.1931), S. 375; Fünfter Baptisten-Welt-Kongreß. Deutscher Bericht, Kassel 1934, S. 264; Täuferbote September 1937, S. 6; Täuferbote April 1941, S. 3f (Bundesversammlung Berlin 1941); Donat, Entstehung, 1958, S. 439; J. Meister (Hg), Bericht über den Kongress der Europäischen Baptisten 26.-31.Juli 1958 in Berlin, Kassel 1959, S. 197.199; Der Sendbote (29. Dezember 1960), S. 23f (Nachruf von R.Ostermann); Die Gemeinde 23/1961 (4.Juni 1961), S. 14 (Nachruf von H.Luckey); Manfred Bärenfänger, Balthasar Hubmaier, der Gemeindetheologe, in: J.C.Wenger, Die Täuferbewegung. Eine kurze Einführung in ihre Geschichte und Lehre, Wuppertal und Kassel 1984, S. (130-150) 142; G. Balders (Hg), Ein Herr, 1984, S. 89 A. 140; Andrea Strübind, Unfreie Freikirche, (1991) ²1995, Register; Franz Graf-Stuhlhofer, Nationalsozialismus als Konkurrenz zum christlichen Glauben. Der Wiener Baptisten-Prediger Arnold Köster über Anschluss und Kriegsanfänge. Eine Dokumentation zu den Jahren 1938-1940, in: Jahrbuch für die Geschichte des Protestantismus in Österreich, Jahrgang 112, Wien 1996, S. 137-183; ders., Das Kriegs-Ende in Wien im Spiegel der Predigten eines NS-kritischen Baptistenpastors, in: Österreich in Geschichte und Literatur, 40. Jahrgang, Wien 1996, Heft 2, S. 113-125; Roland Fleischer, Begegnungen von Baptisten und Juden in Südosteuropa. Das Leben des Judenmissionars Moses Richter (1899-1967). Von Kischineff nach London, in: Freikirchenforschung 8/1998, S. (205-229) 225; Franz Graf-Stuhlhofer, Von der „Grenze des Möglichen“ im Dritten Reich. Kritik am Nationalen in der einzigartigen Predigtsammlung des Wiener Baptisten-Pastors Arnold Köster, in: Geschichte und Gegenwart. Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Gesellschaftsanalyse und politische Bildung, Graz 18/1999, Heft 1, S. 13-35; Ralf Dziewas, Eine freie Kirche in einem freien Staat. Sozialethische Perspektiven zur politischen Verantwortung einer Freikirche in der Bundesrepublik Deutschland, in: ZThG 4/1999, S. (312-338) 325 A. 53; Diabo&Lüllau, „Hoffentlich enttäuscht uns Hitler nicht“. Briefe, Bilder, Berichte einer Predigerfamilie 1925-1960, hg. v. Uwe A. Gieske, Berlin 1999, S. 81.84.130.189;

Franz Graf-Stuhlhofer, Köster, Arnold, in: Metzler Lexikon christlicher Denker. 700 Autoren und Autorinnen von den Anfängen des Christentums bis zur Gegenwart, hg. von Markus Vinzent, Stuttgart 2000, S. 413; ders., Predigten während Stalingrad. Eine Dokumentation zum Wiener Baptistenpastor Arnold Köster im Januar und Februar 1943, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 48 (2000), S. 1078-1097; ders., Öffentliche Kritik am Nationalsozialismus im Großdeutschen Reich. Leben und Weltanschauung des Wiener Baptistenpastors Arnold Köster (1896-1960), Neukirchen-Vluyn 2001 [Graf-Stuhlhofer, Kritik]; BBKL, Bd. 19 (2001), Sp. 815-821 (Franz Graf-Stuhlhofer); Franz Graf-Stuhlhofer, Die Faszination des Themas „Endzeit“ für Bibelleser im 20. Jahrhundert, in: Freikirchenforschung 11/2001, S. (156-177) 156-159.177; Franz Graf-Stuhlhofer (Hg), Frisches Wasser auf dürres Land. Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des Bundes der Baptistengemeinden in Österreich (Baptismus-Studien 7), Kassel 2005, S. 39-41.123.124.128.131.161f.172.177.178.215.218; Erich Geldbach, Freikirchen - Erbe, Gestalt und Wirkung (Bensheimer Hefte 70), Göttingen (1989) ² völlig neu bearbeitete Aufl. 2005, S. 181f; Bernard Green, European Baptists and the Third Reich, Baptist Historical Society 2008, p. 75 (270 S.); Festschrift zum 140-jährigen Bestehen der Baptistengemeinde Wien-Mollardgasse 1869-2009 (90 S.); F. Graf-Stuhlhofer, Juden und Freikirchen in Österreich. Die Haltung der Freikirchen in Österreich zur Zeit des Nationalsozialismus, dargestellt vor allem am Beispiel der Prediger Arnold Köster (Baptist) und Hinrich Bargmann (Methodist), in: Daniel Heinz (Hg), Freikirchen und Juden im ´Dritten Reich`, Göttingen 2011, S. 311-330; Andrea Strübind, Die deutschen Baptisten und die Judenverfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus, in: ebenda, S. (151-181) 158.177 ( (jetzt auch in: ZThG 23/2018, S. [78-107] 84.102); Erinnerung an den Wiener Baptistenprediger Arnold Köster (1896-1960), in: Die Gemeinde 17/2013, S. 32 (Franz Graf-Stuhlhofer, Wien); Paul Spanring, Dietrich Bonhoeffer and Arnold Köster. Two Distinct Voices in the midst of Germany´s Third Reich Turmoil, Havertown/Cambridge/UK 2014 (276 S., über Köster bes. 32-52) (aus Österreich stammender Baptistenpastor in England); Franz Graf-Stuhlhofer, Die Ev. Allianz Wiens in dunklen Zeiten. Über CVJM, Juden- und Volksmission sowie Volks- und Freikirchen bis 1945, Nürnberg 2015, S. 25-27.30.32.34ff.40ff.46-48.49ff.62ff.69ff.77-81.83ff.91-94.96.98.99.100-102; Frank Hinkelmann, Geschichte der Ev. Allianz in Österreich. Von ihren Anfängen im 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart, Bonn ³2017 (1 2006; 2. überarbeitete und erweiterte Aufl. 2012), S. 64ff.79.82ff; Manfred Stedtler, Baptisten in der Weimarer Republik. Ihre Gedanken zu Politik und Gesellschaft, Bonn 2015, 2. Druck 2016, S. 8.130; Lee B. Spitzer, „The Hand of Sincere Friendship“. The Responses of Baptists in the United States to Nazi Anti-Semitism and the Persecution of the Jewish People, 1933-1948, Freie Universität Amsterdam 2016 (Promotion, 517 S.), S. 50.511: https://research.vu.nl/ws/portalfiles/portal/42163060/complete+dissertation.pdf; Roland Fleischer, Die deutschen Baptisten und ihr Verhalten zu Juden und Judenchristen besonders in der Zeit des Nationalsozialismus, in: ZThG 23/2018, S. (53-77) 55.57.67.70; F. Graf-Stuhlhofer, Widerständiges Verhalten österreichischer Freikirchler während der NS-Zeit, in: Freikirchenforschung 27/2018, S. (74-81) 76.77-79.80; Veit Claesberg, Der pastorale Leiter als Prophet. Der Baptistenprediger Arnold Köster (1896-1960) im Widerstand gegen den Nationalsozialismus (Baptismus-Dokumentation 8), Elstal/Norderstedt 2018 (276 S.); vgl. auch wikipedia-Art. Arnold Köster (in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen, 1.5.2013).

Bildnachweis: Archiv der Baptistengemeinde Wien-Mollardgasse (ca. 1940).