Johannes Gottwald Edgar Claus

Johannes Gottwald Edgar Claus (* 11. März 1881; † 10. Februar 1957 in Leipzig) gehörte ursprünglich zu den Geschlossenen Brüdern und war nach dem Zweiten Weltkrieg der Leiter der Bruderhilfe in der DDR.

Edgar Claus gehörte zur geschlossenen Brüdergemeinde in Leipzig und übte dort eine leitende Funktion aus. Er war Stadtverwaltungsinspektor und war seit 1933 Mitglied der NSDAP. Nach dem Verbot der Geschlossenen Brüder (Christliche Versammlung) 1937 führte er für die Gestapo die Liquidation des Vermögens der verbotenen Gemeinde durch. Er trat dann dem Bund freikirchlicher Christen bei. Nach Kriegsende setzte er sich ein für den Erhalt des gemeinsamen Bundes von Baptisten- und Brüdergemeinden und wandte sich entschieden gegen die Austrittswünsche letzterer.

Er war ab 1946 Vereinigungsbeauftragter der „Bruderhilfe“ (Hilfsorganisation des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden mit Sitz in Dillenburg) für Sachsen; später war er Leiter der Verwaltungsstelle der Bruderhilfe für die gesamte DDR in Leipzig. Das „brachte ihm die Bezeichnung ‚Apostel der Freude‘“ ein (Karl Reichardt). Er gehörte der Bundesleitung an. (Reinhard Assmann/Andreas Liese/Hartmut Wahl)

Staatsarchiv Leipzig: Bestand Polizeipräsidium (Leipzig) - V 4872.

Archiv der Brüderbewegung in Wiedenest.

Die Gemeinde 10/1957, S. 9 (Nachruf); Andreas Liese, Verboten, geduldet, verfolgt. Die nationalsozialistische Religionspolitik gegenüber der Brüderbewegung, Hammerbrücke (2002) 2. durchgesehene Aufl. 2003, Register (642 S.); R. Assmann, Der BEFG in der DDR. Ein Leitfaden zu Strukturen - Quellen - Forschung (Baptismus-Studien 6), Kassel 2004, S. 27.31.171; Andreas Liese, Wir konnten immer das Evangelium verkünden: Baptisten und Brüdergemeinden im „Dritten Reich“, in: Kirchliche Zeitgeschichte 30 (2017), Heft 1, S. (93-133) 110.