Heinrich Euler

Heinrich Euler (* 7. April 1880 in Hersfeld; † 13. September 1945 in Marburg) war Schneider dann Unteroffizier und wurde Prediger durch Selbststudium in Hassenhausen, der schriftstellerisch tätig war und engagierte Artikel im Wahrheitszeugen veröffentlichte.

euler-heinrich.jpgHeinrich Euler war der Enkel von Valentin Beyebach. Er wurde Schneider und später Schreibgehilfe. Ab 1900 war er als Unteroffizier in Gießen stationiert, wo er die Versammlungen der Baptistengemeinde leitete. 1905 schied er aus dem Militärdienst aus und wurde Kolporteur und Missionar der Gemeinde Gießen. 1910 zum zweiten Prediger in Hassenhausen berufen, eignete er sich theologische Kenntnisse im Selbststudium an, besuchte Vorlesungen an der Universität Gießen und trat in einen intensiven Briefwechsel mit Alfred Hess vom Hamburger Predigerseminar ein. Der 1912 ordinierte Euler trat später in einen Dienst an der Universität Marburg arbeitete aber gleichzeitig weiter im Gemeindedienst. Nebenberuflich war er schriftstellerisch tätig. Er schrieb sozialethische Artikel in der Zeitschrift der Neuwerkbewegung (Der Christliche Demokrat/Das neue Werk, 1919/20), nahm dort auch engagiert gegen den Pazifismus Stellung und der „Wahrheitszeuge“ veröffentlichte verschiedentlich kontrovers angelegte Aufsätze von ihm. Um bzw. bis 1933 war er Bundesdiakon für das Verlagshaus in Kassel und Kassierer der hessischen Vereinigung. Er warb früh für die NS-Bewegung in der Meinung, man könne den Kurs der Partei von christlicher Seite aus mitbestimmen, wie seine Rundbriefe von 1933 („Eichenblätter“) an die „baptistischen Mitglieder der NSDAP und die Freunde der Bewegung“ belegen. Später aber wandte er sich der Bekennenden Kirche zu. 1935 schrieb er im Wahrheitszeugen, die „Achtung der Andersartigkeit der Rassen“ dürfe nicht zur „Ächtung“ werden. Heinrich Brucker, der ´Vater der Baptistengemeinden Hessens` war sein „väterlicher Freund“. Da Euler sich in der Studentenarbeit des Bundes engagiert hatte, wurde 1959 das Studentenwohnheim der Gemeinde Marburg, das heutige „Martin-Luther-King Haus“, nach ihm benannt. Verheiratet war er mit Elisabeth Holdinghausen. (Unveröffentlichte Kurzbiographie von Axel Steen von 1984, ergänzt von RF)

Verschiedene Vorträge, in: Protokolle der hessischen Vereinigung im Archiv der EFG Kassel-Möncheberg.

Selbständige Veröffentlichungen

Der Mensch im Lichte der Bibel. Beiträge zum Verständnis biblisch-psychologischer Begriffe, Oncken Verlag Kassel 1911 (91 S.).

Gesetz und Evangelium in ihrem Verhältnis zueinander, Kassel (47 S.).

Seine Herrlichkeit. Gedanken über das Johannesevangelium, Kassel 1913, 2 Bände (Bd. 1: 381 S., Bd. 2: 323 S.).

Die Bedeutung der urchristlichen Taufe für unsere gegenwärtige Zeit, Kassel 1929 (31 S.).

Beiträge in Zeitschriften u.a.

verschiedene Art. im Wahrheitszeugen und im Hilfsboten.

Christliche Weltanschauung, in: Wahrheitszeuge 1908, Nr. 48, S. 380-382; Nr. 49, S. 388f; Nr. 50, S. 396-398; Nr. 51, S. 405f.

Die Weltkrise und der deutsche Baptismus, in: Wahrheitszeuge 1914, S. 303.

Artikel zu sozialethischen Themen, in: Der christliche Demokrat, später: Das neue Werk, hg. v. Otto Herpel, Schlüchtern 1919/20 (Zeitschrift der Neuwerkbewegung, vgl. dazu Antje Vollmer, 2016).

Wie schützen wir uns vor der liberalen Theologie?, in: Wahrheitszeuge 1920, Nr. 26 (19.12.1920), S. 205f (vgl. auch S. 204, Anmerkung der Redaktion).

Kirche oder Gemeinde. Die religiöse Zeitfrage der Gegenwart, in: Wahrheitszeuge 1921, Nr. 1, S. 4f.

Unsere Stellung gegenüber der katholischen und protestantischen Frömmigkeit, in: Wahrheitszeuge 1921, Nr. 2, S. 12f.

Der Brief Pauli an die Römer, in: Wahrheitszeuge 1921, Nr. 6ff.

Weshalb ich Baptist sein muss, in: Wahrheitszeuge 1921, Nr. 38, S. 293f.

Christentum und Pazifismus, in: Das neue Werk (Zeitschrift der Neuwerkbewegung) IV (1922?), S. 408f.

Die biblische Lehre von der Versöhnung, in: Wahrheitszeuge 1923, Nr. 9, S. 69f.

Urchristentum und Wirtschaftsordnung, in: Wahrheitszeuge 1923, Nr. 46f.

Eine Taufe, in: Wahrheitszeuge 1923, Nr. 31, S. 229f.

Evangelisation unter Gebildeten, in: Wahrheitszeuge 1924, Nr. 14, S. 111f.

Warum brauchen wir in der Gemeinde den Zusammenschluss der geistigen Kräfte, in: Wahrheitszeuge 1925, Nr. 28, S. 219-221.

Heilige Einfalt, in: Wahrheitszeuge 1925, Nr. 36, S. 284f.

Das Siegel des Glaubens, in: Wahrheitszeuge 1925, Nr. 40, S. 316-318.

Die Bibel als Gesetzbuch, in: Wahrheitszeuge 1926, Nr. 7, S. 51 (auch zum Thema Fundamentalismus, vgl. dazu G.Balders, in ThGespr 2/1994, S. 17).

Die unsichtbare Kirche, in: Wahrheitszeuge 1926, Nr. 21, S. 163-165.

Das Objektive in seiner Bedeutung für die Gemeinde, in: Hilfsbote 1927, H. 2, S. 21-23.

Das Berneuchener Buch, in: Hilfsbote 1927, H. 4, S. 54-57.

Ich bin gewiß (Röm. 8, 38.39), in: Hilfsbote 1927, H. 5, S. 73-77.

Zur inneren Lage im Protestantismus, in: Hilfsbote 1927, H. 6, S. 106-110.

Christentum und Askese, in: Hilfsbote 1928, H. 6, S. 125-129; H. 7, S. 149-153.

Die Bedeutung des Baptismus innerhalb der Gedankenwelt des deutschen Protestantismus, in: Hilfsbote 1928, H. 12, S. 268-272.

Die Notwendigkeit baptistischer Theologie. Eine Skizze, in: Hilfsbote März 1930, S. 52-54.

Rundbriefe „Eichenblätter“, 1933 (teilweise erhalten, Oncken-Archiv Elstal).

Die sichtbare und unsichtbare Gemeinde, in: Wahrheitszeuge 1934, Nr. 15, S. 113f.

Gemeinde und Staat, in: Wahrheitszeuge 1935, Nr. 33, S. 258.

Die Bedeutung des A.T. für die Gemeinde (Vortrag auf der hessischen Vereinigungskonferenz Frankfurt 1937), in: Protokoll, S. 14-16 (Archiv der EFG Kassel-Möncheberg). (Vgl. dazu R. Fleischer, „Das verachtete Volk der Juden“. Baptisten, die Pogromnacht und das Verhältnis zum Judentum, in: Freikirchenforschung 17/2008, S. 197, auch in: ZThG 23/2018, 65; im Internet: https://dienste-in-israel.de/mediathek-2/).

Brief an J. Köbberling vom 25.9.1937, in: R. Fleischer, Streit (Baptismus-Dokumentation Bd. 4), Elstal 2014, S. 40-43.

Der jenseitige Gott, in: Wahrheitszeuge 1937, Nr. 43 oder 44.

Gott der Heilige, in: C.A.Flügge, Glaube an den persönlichen Gott, Kassel (1938) 3. vermehrte Aufl. 1939, S. 20-21.

Jahrbuch 1933, S. 2.16.19.21.80; Festschrift 125 Jahre Gemeindegeschichte Marburg-Hassenhausen-Gießen, Oktober 1965, S. 30-31 (mit Foto); G. Balders (Hg), Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe. 150 Jahre Baptistengemeinden in Deutschland 1834-1984. Festschrift, Wuppertal/Kassel 1984, S. 72.91.101; Andrea Strübind, Unfreie Freikirche, 2.Aufl. 1995, Register; G. Balders, Zur Frömmigkeitsgeschichte des deutschen Baptismus, in: ThGespr 2/1994, S. 17 A. 4; R. Fleischer, „Das verachtete Volk der Juden“. Baptisten, die Pogromnacht 1938 und das Verhältnis zum Judentum, in: Freikirchenforschung 17/2008, S. (196-221) 197 (Vortrag auf der hessischen Vereinigungskonferenz Frankfurt 1937); Bernard Green, European Baptists and the Third Reich, Baptist Historical Society 2008, Index (270 S.); D. Lütz (Hg), „Die Bibel hat die Schuld daran“. Festschrift zum 175. Jubiläum der Oncken-Gemeinde in Hamburg 2009, S. 359; Roland Fleischer, Der Streit über den Weg der Baptisten im Nationalsozialismus. Jacob Köbberlings Auseinandersetzung mit Paul Schmidt zu Oxford 1937 und Velbert 1946 (Baptismus-Dokumentation 4), 2014, S. 12.17.40; A. Strübind, Keine dauerhafte, vertretbare Neuordnung - Die Entstehung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) 1941/42 (aus baptistischer Sicht), in: R.Assmann/A.Liese (Hg.), Unser Weg - Gottes Weg? Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland - eine historische Bestandsaufnahme (Baptismus-Dokumentation 5), Hammerbrücke/Elstal 2015, S. (7-38) 23.24; Manfred Stedtler, Baptisten in der Weimarer Republik. Ihre Gedanken zu Politik und Gesellschaft, Bonn 2015, 2. Druck 2016, S. 51.72.106; Antje Vollmer, Die Neuwerkbewegung. Zwischen Jugendbewegung und religiösem Sozialismus, Freiburg u.a. 2016, S. 23.111.196 A. 1 (303 S.); Roland Fleischer, Die deutschen Baptisten und ihr Verhalten zu Juden und Judenchristen besonders in der Zeit des Nationalsozialismus, in: ZThG 23/2018, S. (53-77) 65.

Bildnachweis: Archiv EFG Marburg (1965)