Joseph Halmos

Joseph Halmos, vormals Kohn (* 8. März 1876 in Galantha/Ungarn; † 11. November 1943 in Auschwitz) war gelernter Dreher und gehörte zur Gründergeneration der Münchener Baptistengemeinde, in der er sich als Laienprediger, Evangelist und Sonntagsschullehrer betätigte. Wegen seiner jüdischen Herkunft wurde er schließlich ausgegrenzt, deportiert und in Auschwitz ermordet.

josef_agnes_halmos.jpgjosef_halmos.jpgEr wuchs auf in ärmlichen Verhältnissen in Budapest als Sohn einer jüdischen Familie. Er machte eine Lehre als Dreher. 1900 heiratete er in München. Seine Frau war Agnes Burckhardt (14.6.1878 -17.2.1954) mit der er vier Kinder hatte. 1905 bekehrte er sich: „Ich betrat die Versöhnungsbrücke, das Kreuz Christi und warf mich vor dem Erlöser auf die Knie, bekannte mich als Sünder, der zu Ihm Zuflucht nehme, Ihm vertraue und Ihm dienen will“ (Tagebuch). Seit 1905 war er Mitglied der Baptistengemeinde München-Holzstraße, die 1902 gegründet worden war. Josef Halmos „war vielfältig missionarisch für seine Gemeinde, andere Baptistengemeinden und auch ´judenchristliche` Kreise in München tätig“ u.a. als Evangelist, Sonntagschulleiter und durch Hausbesuche. Im Selbststudium erwarb er sich theologische Kenntnisse. Er diente als Laienprediger in Nürnberg, Kempten und Augsburg sowie als Mitarbeiter und Referent im Blau-Kreuz-Verein. 1933 wurde seine Berufung als hauptamtlicher Gemeindehelfer nach Kempten vom Münchener Prediger Cramer verhindert. Er erfuhr eine „wachsende Ausgrenzung und Isolierung in der Gemeinde.“ Er sollte in der Gemeinde „als gebürtiger Israelit möglichst still sein“, berichtete sein Sohn Friedrich Halmos. Im Mai 1935 wurde er mit der ganzen Familie ausgebürgert. Von seiner offiziellen Mitarbeit im Blauen Kreuz trat er 1936 zurück, „um dem Verein aufgrund seiner jüdischen Herkunft keine politischen Schwierigkeiten zu machen“. 1938 entschloss er sich nicht mehr zur Gemeinde zu kommen, was Prediger Cramer „sehr erleichtert angenommen habe.“ Im Gemeinderegister wurde er im gleichen Jahr gestrichen. Im September 1941 wurde er im sog. „Judenlager“ in Milbertshofen zur Zwangsarbeit verpflichtet. Die Gestapo teilte ihn zur Bewachung bei der Deportation von Juden ein. Er bereitete sich bewusst auf seinen Tod vor und formulierte den Text seiner Todesanzeige: „Haltet mich nicht auf, denn der Herr hat Gnade zu meiner Reise gegeben. Lasst mich zu meinem Herrn ziehen“ (1. Mose 24, 56). Im Mai 1943 wurde er von der Gestapo verhaftet und nach Auschwitz deportiert, wo er im November umkam. „Zum 100-jährigen Jubiläum der Baptistengemeinde in München 2002 wurde am Eingang des Gemeindezentrums eine Gedenktafel für den ermordeten Gründervater enthüllt.“ (Andrea Strübind in: Schultze/Kurschat, Ihr Ende, ²2008, 294).

1969 reichte Sohn Friedrich ein Gedenkblatt in YadVashem für seinen Vater ein. Darin gibt er an: Eltern Max Kohn und Rosali Fleischmann; er war verheiratet mit Agnes Katharina Burckhardt; sein Sterbedatum mit 11. November 1943 im Alter von 67 Jahren. (RF nach Andrea Strübind)

Kurzbiographie von Andrea Strübind: Josef Halmos - ein deutsches Schicksal (1876 bis 1943), in: Zwischen Himmel und Erde. Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde München (Baptisten), hg. von Andrea und Kim Strübind, 2002, S. 113-117.

Kurzbiographie von Andrea Strübind: Art. Halmos, Josef, in: H. Schultze/A. Kurschat, Ihr Ende schaut an. Evangelische Märtyrer des 20. Jahrhunderts, Leipzig ²2008, S. 292-294.

Kurzbiographie in: Roland Fleischer, Judenchristliche Mitglieder in Baptistengemeinden im „Dritten Reich“, ThGespr, Beiheft 12 (2012/2019), S. 16f: http://www.theologisches-gespraech.de/archiv?start=63

weitere Kurzbiographie von Andrea Strübind in: H.Ludwig u.a.(Hg), Evangelisch getauft - als „Juden“ verfolgt. Theologen jüdischer Herkunft in der Zeit des Nationalsozialismus. Ein Gedenkbuch, Stuttgart 2014, S. 142f.

Vier Tagebücher, 1938 (Privatbesitz Andrea Strübind).

Tel. mit Inge Schulz, bei München, 5.2.2012.

Gedenkblatt für Joseph Halmos: http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=650668&ind=2

Gedenkblatt Yad Vashem, Jerusalem, eingereicht von Sohn Friedrich Halmos 1969; Friedrich Halmos: Vor vierzig Jahren. Leben und Leiden eines Judenchristen, in: Die Gemeinde 46/1983, S. 4f (der Sohn berichtet über seinen Vater); Andrea Strübind, Josef Halmos – ein deutsches Schicksal (1876-1943), in: Andrea und Kim Strübind (Hgg.), Zwischen Himmel und Erde. Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum der EFG München (Baptisten), München 2002, S. 113-117, außerdem S. 60.66.69f.88 (Foto).89.100.117f; Hans-Joachim Leisten, Wie alle andern auch. Baptistengemeinden im „Dritten Reich“ im Spiegel ihrer Festschriften, in: Freikirchenforschung 17/2008, S. 190f; Andrea Strübind, Art. Halmos, Josef, in: H. Schultze/A. Kurschat, Ihr Ende schaut an. Evangelische Märtyrer des 20. Jahrhunderts, Leipzig ²2008, S. 292-294; Hans-Joachim Leisten, Wie alle andern auch. Baptistengemeinden im Dritten Reich im Spiegel ihrer Festschriften, Hamburg 2010, S. 124f. (und Anhang 163f von Roland Fleischer); Andrea Strübind, „Wir Christen unter Zuschauern“. Die deutschen Baptisten und die Judenverfolgung in der Zeit der NS-Diktatur, in: D. Heinz (Hg), Freikirchen und Juden im „Dritten Reich“. Instrumentalisierte Heilsgeschichte, antisemitische Vorurteile und verdrängte Schuld, Göttingen 2011, S. (151-181) 165f.173 (jetzt in: ZThG 23/2018, S. 91f.98f); Josef Halmos (Kurzbiographie von Andrea Strübind) in: H.Ludwig u.a. (Hg), Evangelisch getauft - als „Juden“ verfolgt. Theologen jüdischer Herkunft in der Zeit des Nationalsozialismus. Ein Gedenkbuch, Stuttgart 2014, S. 142f.

Bildnachweis: Archiv EFG München-Holzstraße / Andrea Strübind