Johannes Warns

Johannes Warns (* 21. Januar 1874 in Osteel/Ostfriesland; † 27. Januar 1937 in Wiedenest) war Leiter der Bibelschule Wiedenest von 1919 bis zu seinem Tod 1937.

johannes_warns.jpgWarns war der Sohn eines ev. Pfarrers. Er war ein recht begabter Zeichner und Maler, der später für etliche christliche Zeitschriften im In- und Ausland und für christliche Bücher (vor allem von Kristina Roy) zeichnete. Er wollte darum auch zuerst Malerei studieren, entschied sch dann aber für ein Theologiestudium, das er in Greifswald, Halle, Berlin und Bonn absolvierte. Mit Beginn des Studiums trat er der Studentenvereinigung „Wingolf“ bei, in der er auch leitende Positionen einnahm. Am 24. Februar 1896 kam er bei der Heilsarmee in Berlin zum Glauben. 1896/97 wurde er Hauslehrer bei Pastor Wilhelm Faber (1845-1916) in Berlin. Dort lernte er u.a. den bekehrten Türken und Moslem-Missionar Johannes Awetaranian (1861-1919), Dr. Johannes Lepsius (1858-1926) und Walter Jack (†1939), den späteren Leiter des Missionswerkes „Licht im Osten“, kennen. Nach dem Zweiten theologischen Examen 1898 trat Warns aus Gewissensgründen nicht ins Pfarramt. 1899 arbeitete er kurze Zeit in der Anstalt in Bethel und wurde dann Hauslehrer der vier Söhne von Pfarrer Ernst Lohmann, dem Gründer des „Hülfsbund für Christliche Liebesarbeit im Orient“. 1901 wurde er Kadett bei der Heilsarmee in Berlin und zeichnete in der Zeit für deren Zeitschriften. Doch wenige Monate später trennte er sich von der Heilsarmee und wurde für drei Monate freier Mitarbeiter im Blau-Kreuz-Verein in Freiwalde. Anfang 1902 reiste er für vier Monate nach Ungarn in die Missionsarbeit, blieb aber dort nicht, weil „sein Standpunkt zu kirchfrei“ sei. Ab Mai 1902 lebte und arbeitete er in Schildesche mit Pfarrer Christoph Köhler zusammen. 1904 gab er die Zeitschrift „Wahrheit in der Liebe“ zum Verständnis der Gemeinschaftsbewegung heraus sowie die Missionszeitschrift „Mich jammert des Volks“. 1905 berief man ihn neben Köhler zum Lehrer an die Allianzbibelschule in Berlin (später Wiedenest). Am 13. Mai 1905 ließ er sich von dem Chinamissionar Joseph Bender (†1937) in Anwesenheit des baptistischen Predigers in der Baptistenkapelle in Barmen-Rittershausen taufen. Im gleichen Jahr besuchte er in England den Baptistischen Weltkongress und anschließend die Konferenz in Keswick (die deutschen Vertreter der Heiligungsbewegung, Otto Stockmayer, Ernst Jellinghaus und viele andere kannte er bereits viele Jahre persönlich). 1909 gab er an Stelle der Missionszeitschrift „Mich jammert des Volks“ die Zeitschrift „Offene Türen“ heraus. Als 1919 die Bibelschule nach Wiedenest zieht, wird er der Leiter. Seit 1906 unternahm er viele Reisen vor allem in osteuropäische Länder. Ab 1926 bis 1937 gab er das wöchentliche Evangeliumsblatt „Wegweiser“ heraus. 1933 ist er in der Leitung der KcG (kirchenfreie christliche Gemeinden/offene Brüdergemeinden). Warns unterzeichnete neben H. Neumann, Chr. Schatz und von Schleinitz eine Denkschrift der KcG an die Regierung. Mit den Zusammenschlüssen im BfC (1937) und zum BEFG (1941), war die Bibelschule ein Werk des BEFG, letztere Entwicklung erlebte Warns nicht mehr. Warns war schon seit seiner Berliner Zeit sehr befreundet mit Ernst Lange. Lange hielt an seinem Grab eine Rede.

Er war seit 1912 verheiratet mit Annemarie, der Tochter seines Freundes Christoph Köhler und hatte mit ihr acht Kinder. (Hartmut Wahl)

Porträt „Johannes Warns (1874-1937)“ von Ernst Schrupp, in: Im Dienst von Gemeinde und Mission 1905-1980. 75 Jahre Bibelschule und Mission, Missionshaus Bibelschule Wiedenest 1980, hg. v. Ernst Schrupp, S. 16-22.

Kurzer Lebenslauf (Missionshaus Bibelschule Wiedenest, 1980): http://www.efg-hohenstaufenstr.de/downloads/bg/warns.html

Ernst Schrupp, Johannes Warns - Gemeinde nach dem Neuen Testament, in: ders., Gott macht Geschichte. Die Bibelschule und das Missionshaus in Wiedenest, Wuppertal und Zürich 1995, S. 37-71.

Matthias Schmidt, Die Autorität des Wortes Gottes war die zwingende Macht. Leben und Wirken von Johannes Warns (* 21.1.1874 - 27.1.1937) (Vortrag von 2012): www.bruederbewegung.de//

Kurzbiographie in wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Warns

Johannes Warns, Aufzeichnungen und Erinnerungen über die Jahre von 1874 an bis zum 1. März 1935 (Archiv des Missionshauses Wiedenest).

„Mich jammert des Volks“ (Missions-Zeitschrift von 1904 bis 1908, Hg. J. Warns).

„Mitteilungen aus der Bibelschule“ (Zeitschrift, hg. von Köhler, Warns und Sauer von 1905 bis 1939).

Wahrheit in der Liebe (Zeitschrift, hg. von Warns 1904-1908; neu hg. von Ulrich Bister, Hammerbrücke 2005).

„Offene Türen“ (Missions-Zeitschrift, hg. von J. Warns ab 1909).

„Wegweiser“ (wöchentliches Evangeliumsblatt bis 1937).

Die Taufe. Gedanken über die urchristliche Taufe, ihre Geschichte und ihre Bedeutung für die Gegenwart, Bad Homburg 1913 (280 S.); Kassel ²1922 (293 S., überarbeitet); Wuppertal und Zürich ³1992 (vgl. dazu: E. Schrupp, Im Dienst von Gemeinde und Mission, 1980, S. 20 und A. Liese, in: ZThG 12/2007, S. 278).

Staatskirche? Volkskirche? Freikirche? Ein Wegweiser durch die kirchlichen Wirren der Gegenwart für fragende Christen, Bad Homburg 1919.

Gedanken über eine schriftgemäße Abendmahlsfeier, Berlin/Laupen (Bern) 1917 (39 S.); Kreuztal ³1947.

Rußland und das Evangelium. Bilder aus der evangelischen Bewegung des sogenannten Stundismus, Cassel ³1920 (222 S.).

Grenzen der Schriftauslegung, Witten 1922; Witten 1950 (Kelle und Schwert 13, 29 S.).

Kurzgefaßtes Lehrbuch des Neutestamentlichen Griechisch für den Schul- und Selbstunterricht, Gotha 1925.

500 Entwürfe zu biblischen Ansprachen, Striegau 1932.

Die Kindertaufe. Sonderdruck aus dem 2.Band des Mennonitischen Lexikons, 1935.

Georg Müller und John Nelson Darby. Ein Rückblick auf den sogenannten Bethesdastreit zu Bristol im Jahre 1848, Wiedenest 1936 (50 S.): https://www.bruederbewegung.de/pdf/warns.pdf.

Kennt das Neue Testament die Bedienung einer örtlichen Gemeinde durch einen Prediger?, Bad Homburg o.J. (16 S.).

Hartwig Schnurr (Hg), Johannes Warns. Gemeinde nach dem Neuen Testament. Schriften zur Gemeindefrage mit acht unveröffentlichten Manuskripten (edition Forum Wiedenest), Muldenhammer 2018.

Donat, Ausbreitung, 1960, Register; Hans Brandenburg, Christen im Schatten der Macht. Die Geschichte des Stundismus in Rußland, Wuppertal 1974, S. 121.124.147; Ernst Schrupp, Art. Warns, Johannes, in: Ev. Gemeindelexikon, hg. v. E.Geldbach u.a., Wuppertal 1978, S. 525; W. Kahle, Evangelische Christen in Rußland und der Sovetunion. Ivan Stepanovic Prochanov (1869-1935) und der Weg der Evangeliumschristen und Baptisten, Wuppertal/Kassel 1978, Register; Ernst Schrupp, Johannes Warns, in: Arno Pagel (Hg.), Er bricht die Bahn, Marburg a. d. Lahn 1979, S. 149-157; Gerhard Jordy, Die Brüderbewegung in Deutschland, Bd. 2, 1981; Bd. 3, 1986; Hartmut Kretzer (Hg.), Quellen zum Versammlungsverbot des Jahres 1937 und zur Gründung des BfC, Neustadt 1987, S. 16.38f. 122-124; Ernst Schrupp, Warns, Johannes (1874-1937), in: ELThG, Bd. III, 1994, S. 2131; Ernst Schrupp, Gott macht Geschichte. Die Bibelschule und das Missionshaus in Wiedenest, Wuppertal und Zürich 1995, Register; Ralph Tuchtenhagen, Warns, Johannes, in: BBKL, Bd. XIII (1998), Sp. 374-375; Andreas Liese, Verboten, geduldet, verfolgt, Hammerbrücke (2002) 2 2003, Register (642 S.); Stephan Holthaus, 150 Jahre Brüderbewegung in Deutschland, in: Freikirchenforschung 14/2004, S. (210-228) 224; Matthias Schmidt, Johannes Warns, in: Ulrich Bister (Hg.), Johannes Warns. Wahrheit in der Liebe (Ein quellengeschichtliches Lesebuch), Hammerbrücke 2005, S. 11f; Horst Afflerbach, Die heilsgeschichtliche Theologie Erich Sauers, Wuppertal 2006, Register (543 Seiten); Andreas Liese, Taufverständnisse in der Brüderbewegung, in: ZThG 12/2007, S. (272-286) 278; Hartwig Schnurr (Hg), Johannes Warns. Gemeinde nach dem Neuen Testament. Schriften zur Gemeindefrage mit acht unveröffentlichten Manuskripten (edition Forum Wiedenest), Muldenhammer 2018; Erich Geldbach, Aktion und Reaktion: Freikirchen und die Berliner Erklärung, in: Freikirchenforschung 19/2010, S. (59-73) 69; Andreas Liese, Aus der Enge in die Weite - Die Entstehung des BEFG 1941/42 (aus Sicht der Brüdergemeinden), in: R. Assmann/A. Liese (Hg), Unser Weg - Gottes Weg? (Baptismus-Dokumentation Bd. 5), 2015, S. (39-81) 46; Manfred Stedtler, Baptisten in der Weimarer Republik. Ihre Gedanken zu Politik und Gesellschaft, Bonn 2015, 2. Druck 2016, S. 91; vgl. auch wikipedia-Art. Johannes Warns.

Bildnachweis: Missionshaus Bibelschule Wiedenest / Forum Wiedenest