Edward Millard

Edward Millard (* 21. November 1822 in Bath bei Bristol/England; † 13. Juni 1906 in Wesel) war Kaufmann und Sprachlehrer und wurde zum Pionier der baptistischen Bewegung in Österreich. Seine Initiative führte zur Gründung der Baptistengemeinde Wien. Lange Jahre (1850-52 und 1864-1887) fungierte er als erster Direktor der Britischen & Ausländischen Bibelgesellschaft in Österreich-Ungarn.

edward_millard.jpgDie Familie übersiedelte 1823 von England nach Amsterdam, wo sich der Vater einer taufgesinnten Gemeinde anschloss. Er selbst kam 1845 nach Deutschland und arbeitete in Barmen als Sprachlehrer für angehende Missionare. In Wuppertal bekehrte er sich im Januar 1846 und wurde im gleichen Jahr in den Dienst der Britischen und Ausländischen Bibelgesellschaft berufen. Sie schickte ihn 1847 nach Köln, 1851 nach Wien. 1852 wurde er ausgewiesen und arbeitete zunächst in Breslau (1852-1856) dann in Berlin (bis 1864). Erst 1864 wurde die Rückkehr nach Österreich wieder möglich. Im gleichen Jahr eröffnete er ein Bibeldepot in Wien, weitere entstanden in den folgenden Jahren in Prag, Budapest, Warschau, Bukarest, Triest und anderen Städten. Im Dezember 1869 vollzog er die Gründung der Baptistengemeinde Wien, nachdem J.G.Oncken auf der Rückreise von Südrussland auch Wien besucht hatte. 1885 wurde die „Österreichisch-Ungarische Vereinigung“ (Wien, Graz, Budapest, Sniatyn, Prag) unter Leitung von Edward Millard gegründet. Bei seiner Pensionierung 1887 verlieh ihm die Bibelgesellschaft den Ehrentitel „Honorary Life Governor“. Durch die Bibelboten wurden bis dahin 4,7 Millionen Bibeln oder Bibelteile verbreitet. Sein Sohn Henry (1847-1902) führte die Agentur der Bibelgesellschaft für Österreich-Ungarn weiter. Mit seiner Tochter Jane, Samuel Knappe und Wilhelm Haupt stand Edward Millard seit 1892 in der neugegründeten Waisenverwaltung des Bundes. Die letzten Lebensjahre verbrachte er im Rheinland als Prediger und Ältester der Gemeinde Wiesbaden (1891-1897) und zuletzt in Wesel bei seinem Sohn Jakob, der dort Prediger der Freien ev. Gemeinde war. Millard war Mitarbeiter im Missionskomitee der niederrheinischen Vereinigung und Vorsitzender der niederrheinischen Vereinigung von 1893 bis 1897. Auf einer Vereinigungskonferenz hielt er 1899 das Referat „Ein fehlendes Glied“ zum Thema Judenmission. Von Wesel aus half er noch der Gemeinde Oberhausen und ihren Stationen (Duisburg u.a.) im Predigtdienst aus.

Er gilt als Pionier der baptistischen Bewegung in Österreich. Er war verheiratet mit Diederike Johanna (1823-1893) und hatte mit ihr sieben Kinder, u.a. die beiden Söhne Henry und Jakob. Sein Sohn Jakob (1860-1938) wurde zum Lehrer und Rektor der Predigerschule der Freien ev. Gemeinden in Wuppertal-Vohwinkel. (RF)

Unveröffentlichte Kurzbiographie von 1984.

Nachruf von W. Haupt in: Wahrheitszeuge 1906, S. 244f.

Biographie in: Wahrheitszeuge 1906, S. 267.275.291; WZ 1907, S. 171.179.187.195.203.211 (teilweise autobiographisch).

zur Lebensgeschichte Edward Millard siehe auch: Hartmut Weyel, Zukunft braucht Herkunft (Geschichte und Theologie der Freien evangelischen Gemeinden, Bd. 5.5/2), Bd. II, Witten 2010, S. 117-119.

Kurzbiographie in wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Edward_Millard

Todesanzeige in: Der Gärtner 25/1906 (24. 6. 1906), S. 200.

Archiv der British and Foreign Bible Society (ca. 570 Briefe von Edward Millard aus Deutschland, Polen und Österreich): https://janus.lib.cam.ac.uk/db/node.xsp?id=EAD%2FGBR%2F0374%2FBSAX%2F1%2FM

Nachruf an Charles Haddon Spurgeon, bei dessen Heimgang am 31. Januar 1892. Vortrag, in: Wahrheitszeuge 1892, H. 10, Extra Beilage S. 1f.

Mein Werk ist getan. Nachruf an C. H. Spurgeon, gehalten zu Wiesbaden nebst den zwei letzten Ansprachen von C.H.Spurgeon, Oncken-Verlag Hamburg o.J. (1892), 45 S.

Verwaltung der Waisensache unseres Bundes, in: Wahrheitszeuge 1895, H. 3, S. 20.

Niederrheinische Vereinigung, in: Wahrheitszeuge 1895, H. 26, S. 208.

An die Niederrheinische Vereinigung, in: Wahrheitszeuge 1895, H. 37, S. 292.

Der Papst und die Baptisten, in: Wahrheitszeuge 1895, H. 48, S. 381.

Brocken vom Gottestisch. Wanderern zur Ewigkeit zur täglichen Nahrung dargeboten (Verfasser James Smith, aus dem Englischen übersetzt vom Edward Millard), Bonn 1895, 184 Blätter.

Unsere Waisensache, in: Wahrheitszeuge 1896, H. 28, S. 220f.224; H. 29, S. 232.

Wie sollen wir unsere Kinder erziehen?, in: Wahrheitszeuge 1897, H. 2, S. 12.

Ein fehlendes Glied (Judenmission), 1899, Vortrag auf der niederrheinischen Vereinigungskonferenz.

Der Selbsterweis des Evangeliums. Referat, in: Wahrheitszeuge 1903, H. 13, S. 100f; H. 14, S. 108f; H. 15, S. 117f.

Unser Leben nach dem Tode (Offb. 20, 6), in: Wahrheitszeuge 1903, H. 13, S. 101f.

S. Jane Millard (die Tochter), Jahresbericht der Waisenverwaltung, in: Wahrheitszeuge 1904, H. 46, S. 368.

Eine Berichtigung, in: Hülfsbote 25/1905, S. 40f.

Notizen (Winke für Prediger), in: Hilfsbote 25/1905, S. 111f.

Biographien

Biographie in: Wahrheitszeuge 1906, S. 267.275.291; WZ 1907, S. 171.179.187.195.203.211 (teilweise biographisch).

Johannes Fleischer, Aus der Geschichte des neueren Täufertums in den Donauländern, in: Täuferbote März, Mai, Juni, Juli-August 1938 (siehe Lit.). Wieder abgedruckt in: Franz Graf-Stuhlhofer (Hg), Frisches Wasser auf dürres Land (Baptismus-Studien 7), Kassel 2005, S. 17-24.

Österreichisches Biographisches Lexikon (ÖBL), Bd. 6 [1975], S. 299 von K. Uhl: https://www.biographien.ac.at/oebl_6/299.pdf

homepage der österreichischen Bibelgesellschaft: Geschichte: https://www.bibelgesellschaft.at/geschichte-der-oesterreichischen-bibelgesellschaft

weitere Literatur:

Joseph Lehmann, Geschichte, Bd. 2, 1900, S. 98-100.139.193f.265; Lehmann, Geschichte, Bd. 2, neu bearbeitet von F.W.Herrmann, 1922, S. 295; Jahrbuch 1906; Nachruf v. W. Haupt, in: Wahrheitszeuge 1906, S. 244f; Biographie in: Wahrheitszeuge 1906, 267.275.291ff; Johannes Fleischer, Aus der Geschichte des neueren Täufertums in den Donauländern, in: Täuferbote 3/1938, S. 3f; 5/1938, S. 2f; 6/1938, S. 2f; 7/8/1938, S. 4.5; Festschrift Predigerseminar Hamburg-Horn 1955, S. 33; Gunnar Westin, Geschichte des Freikirchentums. Der Weg der freien christlichen Gemeinden durch die Jahrhunderte, (Uppsala 1954) Kassel (1956) ²1958, Register; Donat, Entstehung, 1958, S. 147.426f.431f.434; J. Meister (Hg), Bericht über den Kongress der Europäischen Baptisten 26.-31.Juli 1958 in Berlin, Kassel 1959, S. 230; Donat, Ausbreitung, 1960, S. 357.379.381.382.403.413.414.530; Erik Rudén, Die Baptisten des Kontinents Europa, in: J.D.Hughey (Hg), Die Baptisten (Die Kirchen der Welt, Bd. 2), Stuttgart 1964, S. 172; E. Scheve, Dem Herrn vertrauen. Blüten und Früchte eines Lebens für Gemeinde, Mission und Diakonie, zusammengetragen v. G. Balders, Wuppertal 1979, S. 177; Festschrift zum 100-jährigen Gemeindejubiläum der Baptistengemeinde Wiesbaden, o.J. (1980), S. 12f.14.15.69 (Foto); Gottfried Rabenau, Die Geschichte des österreichischen Baptismus, Hamburg 1982 (Seminarabschlussarbeit); K.H.Voigt, Die Ev. Allianz als ökumenische Bewegung. Freikirchliche Erfahrungen im 19. Jahrhundert, Stuttgart 1990, S. 21; Friedrich Heyer, Die Orientalische Frage im kirchlichen Lebenskreis. Das Einwirken der Kirchen des Auslands auf die Emanzipation der orthodoxen Nationen Südosteuropas 1804 - 1912 (Schriften zur Geistesgeschichte des östlichen Europas, Bd. 19), Wiesbaden 1991, S. 18-25; Festschrift zum 100 jährigen Bestehen der EFG Duisburg-Mitte 1894-1994, S. 70; Franz Graf-Stuhlhofer, Öffentliche Kritik am Nationalsozialismus im Großdeutschen Reich. Leben und Weltanschauung des Wiener Baptistenpastors Arnold Köster (1896-1960), Neukirchen-Vluyn 2001, S. 34; Franz Graf-Stuhlhofer, Edward Millard (1822-1906). Mit Bibeln unterwegs, in: Die Gemeinde 20/2002, S. 25; M. Jelten, Handwerkerwege in Gottes Plan. Eine Dokumentation zur Entwicklung des Baptismus im Donauraum, Bremerhaven 2003, 2.Aufl. mit Ergänzungen 2004, S. 31.35; Franz Graf-Stuhlhofer (Hg), Frisches Wasser auf dürres Land. Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des Bundes der Baptistengemeinden in Österreich (Baptismus-Studien 7), Kassel 2005, S. 17-24 (Text: Johannes Fleischer, 1938).25.117.160.161.209; Die großen Taten Gottes erzählen. 125 Jahre Baptistengemeinde Wiesbaden 1880-2005, S. 45; Ian M. Randall, Communities of Conviction. Baptist beginnings in Europe, Schwarzenfeld 2009, Index; H. Weyel, Zukunft braucht Herkunft (Geschichte und Theologie der Freien evangelischen Gemeinden, Bd. 5.5/2), Bd. II, Witten 2010, S. 117-119 (S. 143: weitere Lit. über Edward Millard); Gerhard Lindemann, Für Frömmigkeit in Freiheit. Die Geschichte der Evangelischen Allianz im Zeitalter des Liberalismus (1846-1879), Berlin 2011, S. 669 (1060 S.); Franz Graf-Stuhlhofer, „Erinnerungsblätter von der Baptisten-Gemeinde in Wien“ für Edward Millard. Eine Quelle für die Anfangsjahrzehnte der Baptisten Österreichs (seit 1869), in: Johann Hirnsperger, Christian Wessely (Hrsg.), Wege zum Heil? Religiöse Bekenntnisgemeinschaften in Österreich: Elaia Christengemeinden (…) (= Theologie im kulturellen Dialog; 7c), Tyrolia, Innsbruck 2014, S. 115-142; Frank Hinkelmann, Die Evangelikale Bewegung in Österreich. Grundzüge ihrer historischen und theologischen Entwicklung 1945-1998, Bonn 2014 (Promotion an der Freien Universität Amsterdam), S. 103f.106.110.556: https://research.vu.nl/ws/portalfiles/portal/42137077/complete+dissertation.pdf; Frank Hinkelmann, Kirchen, Freikirchen und christliche Gemeinschaften in Österreich. Handbuch der Konfessionskunde, Wien u.a. 2016, S. 151; Frank Hinkelmann, Geschichte der Ev. Allianz in Österreich. Von ihren Anfängen im 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart, Bonn ³2017 (1.Aufl. 2006; 2. überarbeitete und erweiterte Aufl. 2012), S. 36.40f.43; Franz Graf-Stuhlhofer in: ELThG, 2.Aufl., Bd. 3 (2021); vgl. auch wikipedia-Art. Edward Millard (dort weitere Lit.).

Bildnachweis: Oncken Verlag 1960 / Oncken-Archiv Elstal