Georgi Stefanoff

Georgi Stefanoff (* 19. April 1900 in Bulgarien; † ?) war Zigeunermissionar in Bulgarien und Prediger der einzigen Zigeuner-Baptistengemeinde Europas in Golinzi bei Lom. Er sprach neben seiner Zigeunersprache auch bulgarisch und deutsch.

Die Eltern waren Zigeuner, die in Bulgarien mit ihrem Zelt umherzogen. Der Vater war von Beruf Kesselflicker. Später ließen sie sich ein Haus im Dorf Golinzi bei Lom bauen. Sie gehörten zur orthodoxen Kirche (griechisch-katholisch). Georgi Stefanoff besuchte die Volksschule und der Vater bemühte sich dem Sohn seinen Beruf zu lehren aber ohne Erfolg. Als er 15 Jahre alt war, bekehrten sich einige seiner Stammesgenossen im Dorf und er wurde von zwei Onkeln auf den Glauben angesprochen. Nach einer längeren Krankheitszeit, in der er das Neue Testament las, entschied er sich in die Nachfolge Jesu einzutreten. 1917 nötigten ihn seine Eltern zu heiraten. Aber auch seine Frau wurde gläubig. Einige Monate nach ihrer Heirat wurden sie vom Prediger der bulgarischen Baptistengemeinde in Lom, Karl Grabein, getauft. 1919 musste Stefanoff zum Militärdienst einrücken. Nach zwei Jahren konnte er heimkehren und erlernte den Beruf eines Friseurs und eines Tischlers und hatte damit ein gutes Familieneinkommen. 1923 starb seine erste Frau. Ein Jahr später heiratete er erneut und auch seine zweite Frau, aus der Orthodoxie stammend, öffnete sich dem christlichen Glauben. Nach dem Tod des Zigeunerpredigers Peter Puntscheff (er war der erste bekehrte Zigeuner in Bulgarien und Missionar unter ihnen), wählte die Zigeuner-Baptistengemeinde Golinzi Gregori Stefanoff zu ihrem Leiter. Nachdem er zweimal auf ein Studium an einer Bibelschule aufmerksam gemacht wurde, ging er für zwei Jahre auf die Bibelschule St. Andrä bei Villach in Österreich. Danach berief ihn der Bund der bulgarischen Baptisten zur Missionsarbeit unter Zigeunern und seit Juli 1929 arbeitete er als Bibelbote unter seinen Stammesgenossen. Die Britische und Ausländische Bibelgesellschaft hatte 1912 eine Übersetzung des Lukasevangeliums für die bulgarischen Zigeuner veröffentlicht. An der nachfolgenden Übersetzung des Matthäusevangeliums, die 1930 erschien, war auch G. Stefanoff beteiligt. Im September 1930 konnte für die Gemeinde in Golinzi eine Kapelle (Bethaus) eingeweiht werden, dank der Spenden aus Nordamerika. G. Stefanoff übersetzte die Einweihungs-Predigt von Carl Füllbrandt in die Zigeunersprache. Die Gemeinde zählte etwa 50 Mitglieder. Zusammen mit Bethelschwester Hanna Mein, die ihn in seinem Dienst an den Zigeunern unterstützte, erarbeitete er 1933 ein Liederbuch für die Zigeunermission. Im September 1933 wurde er von Paul Mischkoff (Vorsitzender der bulgarischen Baptisten) und anderen bulgarischen Baptistenpredigern unter Handauflegung zum Prediger in Golinzi ordiniert. Im Laufe des Jahres 1933 konnte die Gemeinde insgesamt 22 Personen aufnehmen und taufen. Zur Sonntagschule kamen etwa 50 Kinder aus fremden Familien und etwa 10 Schülern konnte G. Stefanoff Unterricht im Lesen und Schreiben erteilen. Zu Fuß und später mit dem Fahrrad unternahm er Missionsreisen durchs Land, besuchte seine Volksgenossen und verteilte Traktate. Ende 1938 besaß die Gemeinde Golinzi 73 Mitglieder und 100 Sonntagsschüler. Über sein weiteres Leben ist bisher nichts bekannt. (RF nach den Berichten im Täuferboten)

Täuferbote 1/1930, S. 7 (aus der Bibelschule St. Andrä).

Täuferbote 10/1930, S. 3-5: Bethaus-Einweihung bei den Zigeunern in Bulgarien (von Carl Füllbrandt).

Täuferbote 5/1931, S. 8f (G. Stefanoff: Wie ich Zigeuner-Bibelbote wurde).

Missionsberichte von G. Stefanoff: Tb 6/7/1932, S. 8f; 9/1932, S. 6f; 10/1932, S. 7; 1/1933, S. 7; 2/1933, S. 7; 3/1933, S. 7; 6/7/1933, S. 8; 10/1933, S. 7f (Ordination); 1/1934, S. 7; 3/1934, S. 8; 5/1934, S. 8; 6/7/1934, S. 8; 10/11/1934, S. 7; 12/1934, S. 7; 1/1935, S. 7f; 12/1935, S. 5 u.ö.

Jahrbuch 1937 des Bundes der Baptistengemeinden in Deutschland, S. 98.109; Frisches Wasser auf dürres Land. Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des Bundes der Baptistengemeinden in Österreich (Baptismus-Studien 7), hg. v. Franz Graf-Stuhlhofer, Kassel 2005, S. 172; Frank Hinkelmann, Geschichte der Ev. Allianz in Österreich. Von ihren Anfängen im 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart, Bonn ³2017 (1 2006; 2. überarbeitete und erweiterte Aufl. 2012), S. 77.