Friedrich Christoph Werner

Friedrich Christoph Werner (* 8. März 1816 in Freyburg/Unstrut; † 16. September 1888 in Baileyville/Illinois/USA) war Sattlermeister und Gemeindegründer in Preußen (Bitterfeld) und Sachsen und unermüdlicher Kämpfer für Religionsfreiheit. 1864 emigrierte er mit seiner Familie in die USA.

werner.jpgEr war Sattlermeister in Bitterfeld und wurde am 17.10.1839 von J. G. Oncken in Hamburg getauft. Er gründete am 4.10.1840 in Bitterfeld die zweite Baptistengemeinde in Preußen (nach Berlin) mit neun weiteren Personen, die von Oncken in der Mulde getauft wurden. Es gab eine schnelle Ausbreitung der Gemeinde in der Provinz Sachsen und im Königreich Sachsen. Werner kämpfte von Anfang an auf allen Ebenen des preußischen Staates und seiner Kirche um die Freiheit der Religionsausübung. Schon am 26.12.1840 verfasste er ein Immediatgesuch der Gemeinde an König Wilhelm IV. Mehrfach wurde er gerichtlich verurteilt, 1844 schließlich in dritter Instanz vom Oberlandesgericht freigesprochen. 1846 wurde ihm und seiner Gemeinde die vorläufige Duldung mitgeteilt. 1849 auf der Gründungskonferenz des Bundes der Baptistengemeinden setzte sich Werner für die Mitarbeit von Frauen in der Gemeinde ein, derzeit noch ohne Erfolg. Am 10.9.1841 heiratete er Johanne Wilhelmine Koehler aus Aken/Elbe; sie bekamen sechs Töchter und zwei Söhne. 1864 nahm er Abschied von der Gemeinde und reiste mit seiner Familie nach Amerika aus zum Staat Missouri, einem Drittel seiner Gemeinde hinterher. Hier starb er 1888. Werner verfasste mehrere Lieder. Er gilt als Gemeindegründer im 19. Jahrhundert in Sachsen (von Magdeburg bis Altenburg, von Dresden bis Nordhausen). (Reinhard Assmann)

Archiv des Ev. Kirchengemeindeamts Bitterfeld: Akten des Pfarramts 1850-95 und der Superintendentur Bitterfeld 1836-48.

Stadtarchiv Bitterfeld: Akten des Magistrats Bitterfeld 1836-63, Chroniken und Wochenblätter der Stadt Bitterfeld.

Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt Merseburg und Magdeburg: Akten des Landratsamts in Bitterfeld 1830-52, der Regierung der Provinz Sachsen in Merseburg 1840-56 und des Oberpräsidenten in Magdeburg 1818-46.

Preußisches Geheimes Staatsarchiv Berlin: Akten des Kultus- sowie des Polizei- und Innenministeriums in Berlin 1836-65.

Oncken-Archiv Elstal: Berichte der Vereinigten Gemeinen getaufter Christen in Preußen 1849-59, Protokolle der Bundes-Konferenzen zu Hamburg 1849-63, Briefsammlung G.W. Lehmanns 1840-42, Missionsblatt der Evangelisch-Taufgesinnten 1850-64.

Handbuch M. Jelten, 1997, S. 330f.

Schunke/Janßen/Spät (Hg), Eben-Ezer. Die Baptisten in Sachsen 1840-1890, Hamburg 1890; J. Lehmann, Geschichte, Bd. 1, Hamburg 1896, S. 135ff; Hans Luckey, Gottfried Wilhelm Lehmann und die Entstehung einer deutschen Freikirche, Kassel 1939, S. 83.89ff.102.143; Rudolf Donat, Entstehung, Kassel 1958, Register; Festschrift 150 Jahre Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) Bitterfeld 1840-1990; Herbert Strahm, Reaktionen der deutschen Staaten auf die entstehenden Freikirchen, in: Freikirchenforschung 17/2008, S. (11-38) 24-26; R. Assmann, Kirchlicher Widerstand gegen die Duldung der ersten Baptistengemeinden in der preußischen Provinz Sachsen 1840-1847, in: Heilung der Erinnerungen: Freikirchen und Landeskirchen im 19. Jahrhundert. Beiträge aus einem Forschungsprojekt zum Reformationsjubiläum 2017, hg. v. W. Fleischmann-Bisten u.a. (Beihefte zur Ökumenischen Rundschau 120), Leipzig 2018, S. 74-91 (vgl. dazu Rezension von A. Liese, in Freikirchenforschung 28/2019, S. 227f).

Bildnachweis: Oncken-Archiv Elstal / Oncken Verlag 1958