Werner Wolf

Werner Wolf (* 18. Juni 1925 in (Hamburg-) Wilhelmsburg; † 19. Dezember 2019 in Hamburg) war Vermessungsingenieur, langjähriger Gemeindeleiter in Hamburg-Harburg und Mitglied der Bundesleitung, zeitweise als Vizepräsident. Er arbeitete zuverlässig in vielen Bundesgremien mit.

foto_werner_wolf-2003.jpgWerner Wolf stammte aus einem christlichen Elternhaus, das vom EC (Entschiedenes Christentum) geprägt war. Mit 13 Jahren verlor er seinen Vater und musste als ältester von mehreren Geschwistern in der Familie Verantwortung übernehmen. Mit 17 Jahren wurde er von der Wehrmacht eingezogen und kam an die Ostfront. Erst später konnte er das Abitur nachholen, studierte und wurde Vermessungsinspektor. Zuletzt war er als Ingenieur bei der Hamburger Baubehörde angestellt. 1948 heiratete er Ilse, geb. Schönfeld, mit der er 71 Jahre verheiratet war. Von Ernst Thaut im gleichen Jahr getauft, gehörte er sein Leben lang der Gemeinde Hamburg-Harburg, Niemannstraße, an, davon fast 30 Jahre als Gemeindeleiter. Seine Fähigkeiten stellte er neben seinem Beruf ganz in den Dienst der Gemeinde. Auch für die norddeutschen Gemeinden sorgte er als Laienprediger. Das Gemeindeleben war geprägt von vielen Stationen, die durch Flüchtlinge entstanden (Neu Wulmstorf und Buchholz wurden später selbständig) und von Baumaßnahmen. Den Neubau der Gemeinde Harburg (Kreuzkirche seit 1976) trieb er maßgeblich voran. Als Mitglied im Landesverband Norddeutschland beteiligte er sich an Predigthelferschulungen, Partnerschaften und Gemeindebesuchen, seit 1988 auch an Kontakten nach und Hilfen für Mecklenburg-Vorpommern. Neben Günter Hitzemann, Eberhard Luckey und Hugo Sierich gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Hamburger Verbandes (seit 1964) und war dessen zweiter Vorsitzender. 1977 wurde er in die Bundesleitung gewählt, der er bis 1988 angehörte, davon die letzten vier Jahre als Vizepräsident (Abteilungen Jugend, Heimatmission, später ständiger Ausschuss, Personelles). Seit 1981 war er sechs Jahre Vorsitzender der Heimatmission, zehn Jahre Datenschutzbeauftragter des Bundes, drei Wahlperioden lang Mitglied der Mandatsprüfungskommission und im Berufungsrat. Als 1984 die EBF ihren Kongress in Hamburg durchführte, war er der Vorsitzende des Organisationskomitees. Die theologischen Auseinandersetzungen wegen der „Schütz-Krise“ erlebte er mit. Als Vorsitzender der „Findungskommission“ suchte er nach einem geeigneten Seminargrundstück bis die Wende kam.

Werner Wolf war ein musischer Mensch und begeisterter Chorsänger. Er war „bescheiden, freundlich, zugewandt, mit einer großen Liebe zur Gemeinde“, heißt es in der Würdigung des BEFG (Julia Grundmann). Pastor i.R. Eckhard Schaefer, der Werner Wolf seit 1950 kannte, sagt über ihn: „Er war ein wahres Organisationstalent: zuverlässig, gewissenhaft und in gutem Sinne prinzipientreu.“ (RF nach dem Zeitzeugen-Interview von 2012 und der Würdigung des BEFG vom 9.1.2020)

Würdigung des BEFG, 9.1.2020 (Julia Grundmann): https://www.baptisten.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/werner-wolf-verstorben/

Nachruf „Ich bin bereit“ im Gemeindebrief Kreuzkirche Januar/Februar/März 2020 (EFG Hamburg-Harburg I) von Giesela Bleich.

Zeitzeugen-Interview vom 27.3.2012 (Oncken-Archiv Elstal).

Aufzeichnungen Bundesereignisse, 21.4.2012 (Manuskript mit 22 S. über die Gemeinde Harburg, den Landesverband Norddeutschland und Bundesereignisse von 1952-1990), Oncken-Archiv Elstal.

Festschrift Harburg 1983.

100 Jahre Baptistengemeinde Harburg. Festschrift, 1998, verfasst von Werner Wolf (59 S.).

Tagebuch eines Hafenmissionars (Heinrich Konrad Ludwig Windolf [1820-1906]), hg. v. Werner Wolf, Hamburg 1997, 4 2000, 184 S. (Eigenverlag) (Oncken-Archiv Elstal).

Tagebuch eines Hafenmissionars. Ergänzende Aufzeichnungen zum Tagebuch, hg. von Werner Wolf, Hamburg 1999, 139 S. (Oncken-Archiv Elstal).

Das Porträt: Die Gemeinde 30/1977, S. 6; Festschrift Harburg, 1983; 100 Jahre Baptistengemeinde Harburg. Festschrift, 1998, S. 19.21.41.43; Nachruf in Die Gemeinde 2/2020, S. 28.

Bildnachweis: Ilse Wolf / Clemens von Davier