Harm Hinderks Willms

Harm Hinderks Willms (* 31. Oktober 1822 in Ihrhove; † 2. August 1893 in Weener) war Landwirt dann Diakon, Ältester und Prediger in Ihren/Ostfriesland, der durch seine lehrhaften Schriften zur Ausbreitung des Baptismus beitrug, was ihm den Titel „Theologe im Bauernrock“ einbrachte.

harm_willms-1.jpgEr war Landwirt aus Ihrhove. Sein Biograph Theodor Duprée nennt ihn „Theologe im Bauernrock“. Am 21.9.1853 wurde er in Ihren getauft. 1855 wurde er Diakon, 1858 Ältester, 1865 Prediger der Gemeinde Ihren. Er wirkte als Missionar und Lehrer, der viele apologetische Schriften in niederländischer und deutscher Sprache herausgab. J. G. Oncken versuchte ihn als Lehrer für die neugegründete Missionsschule in Hamburg zu gewinnen, was er aber ablehnte. (RF)

„Ein einfacher Bauer, aber eine hochgeschätzte, anerkannte Führungspersönlichkeit im Frühbaptismus weit über Ostfriesland hinaus, bekannt als „Theologe im Bauernrock“. Harm Willms verdiente sich seinen Lebensunterhalt in seinem bäuerlichen Betrieb auch nach seiner Wahl zum Ältesten und Vorsteher der großen Muttergemeinde Ihren/Ostfriesland. An theologischen Fragen war er schon in seiner Jugendzeit interessiert. Eine intensive Hinwendung zum christlichen Glauben erfolgte allerdings erst in späteren Jahren. Entscheidender Impuls dabei war die Lektüre von Martin Luthers Einleitung in den Römerbrief, die Willms zunächst in innere Glaubenskämpfe stürzte. Bei Drescharbeiten auf der Diele seines Bauernhofes kam es zum Durchbruch. In seinen Lebenserinnerungen berichtete Willms, dass er den Dreschflegel weggeworfen und in großer Freude ausgerufen habe: „Nun weiß ich, dass Jesus auch mein Erlöser ist!“

Seine weitere Suche brachte ihn in Kontakt mit der Ihrener Baptistengemeinde. Dort empfing er am 21. September 1853 die Gläubigentaufe. Zwei Jahre später wurde er zum Diakon berufen. Im Jahr 1858 wählte die Gemeinde ihn zu ihrem Ältesten und Prediger. Dieses Amt hatte er bis zu seinem Tod inne. Die Gemeinde wuchs während seiner Dienstzeit auf 428 Mitglieder, die sich an 9 Gottesdienstorten mit vielen Freunden versammelte. Fünf Kirchengebäude entstanden innerhalb dieses Zeitraums. Außer Willms waren auf dem weiten Gemeindegebiet mehrere sogenannte „ostfriesische Wanderprediger“ als „Missionsgehülfen“ tätig, unter ihnen Peter Johannes de Neui, Matthias de Weerdt, Jannes Jürgens Jelten.

Neben seinem missionarischen Engagement wirkte Harm Willms vor allem als Lehrer. Sein theologisches Wissen, das ihm auch von Gegnern bescheinigt wurde, erwarb er sich durch ein permanentes autodidaktisches Studium. Kern seiner Theologie war die reformatorische Lehre von der Rechtfertigung des Sünders allein durch den Glauben. Johann Gerhard Oncken, hielt ihn für einen „geborenen Theologen“ und wollte ihn als Lehrer an die damals neu gegründete Missionsschule in Hamburg berufen. Willms jedoch lehnte ab.

Bekanntheit – auch über die Grenzen seiner eigenen Konfession hinaus – erwarb sich Harm Willms durch die Herausgabe von apologetischen Schriften, in denen er vor allem die Taufe und damit zusammenhängende ekklesiologische Fragen behandelte. Anlass zu seinen Schriften waren in der Regel polemische Darstellungen des baptistischen Taufverständnisses, die in der lutherischen, reformierten und altreformierten Presse erschienen. Durch seine schriftstellerische Tätigkeit trug Willms wesentlich zur Ausbreitung des Baptismus in Ostfriesland und den angrenzenden Niederlanden bei.“ (von Margarete Jelten 2015 bearbeiteter und ergänzter wikipedia-Art.)

Kurzbiographie in wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Harm_Willms

Lebenserinnerungen (?).

Tagebuch (handschriftlich für die Jahre 1868-1877, Archiv EFG Ihren).

Predigtnotizbuch (handschriftlich für die Jahre 1873-1887, Archiv EFG Ihren).

Handbuch M. Jelten, 1997, S. 338.

Beleuchtung und Widerlegung der von dem Herrn Prediger Leiner herausgegebenen Schrift: Das Sakrament der h. Taufe, Emden 1862, 120 S.

De Kinderdoop der Gereformeerden: volgens de het Werkje van K.J.Pieters en J.R.Kreulen, Groningen 1863, 143 S.

Beleuchtung und Widerlegung der von dem Herrn Pastor Potgeter zu Ihrhove herausgegebenen Schrift: Die Taufe und der Baptismus, Ihrhove/Selbstverlag 1889, 54 S.

Theodor Duprée, in: Wahrheitszeuge Nr. 31 und 33, 1893 (Nachruf); Theodor Duprée, Harm Willms – ein Theologe im Bauernrock. Ein Lebensbild aus der Gegenwart, Hamburg 1896 (48 S.), 2.Aufl.; Joseph Lehmann, Geschichte, Bd. 2, 1900, S. 188f.256-258; Neubearbeitung von F.W.Herrmann, 1922, S. 40.299; B. Weerts, Harm Willms, in: Wort und Werk, 1912, Nr. 8, S. 117-119; Jubiläumsschrift. Hundert Jahre Baptistengemeinde Ihren von B. Grafenburg/Enno Popkes, 1946; Donat, Ausbreitung, 1960, S. 28f; Margarete Jelten, Dachziegel, 1984, S. 171.172.182; dies., Gemeinde Garten, 1985, S. 27ff.45ff.91.103.154f.170f.206-209; Hero Jelten, Und der Herr tat hinzu. 125 Jahre Baptistengemeinde im Raum Hesel/Uplengen, hg. zum Jubiläum 1990 v. d. EFG Firrel/Remmels, S. 26.28.35.39 (Foto).40.43f.45 u.ö.; Margarete Jelten, Von deutschen Baptisten, die im 19. Jahrhundert auswanderten, in: Freikirchenforschung Nr. 5, 1995, S, (76-89) 88; Geschichte der Baptistengemeinde Weener/Ems 1846 - 1896 - 1996 (Festschrift, Text: Friedel Popkes), Weener 1996, S. 6.12; Hero Jelten, Der frühe Baptismus in Ostfriesland bis zum Anschluß an Preußen (1867), in: Freikirchenforschung 2001, Nr. 11, S. (51-67) 61 A.24.65; Margarete Jelten, Ein Beitrag zur Auswanderer-Geschichte. Von Ostfriesland nach Amerika. Baptisten ziehen übers Meer 1848-1872, Bremerhaven 2011, S. 53f.91.92.100; vgl. wikipedia-Art. Harm Willms.

Bildnachweis: Oncken Verlag 1900/1960 / Oncken-Archiv Elstal